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Einleitung

1354 bis 2021: In den mehr als 650 Jahren seit seiner Stiftung hat das Inselspital unzählige Änderungen erfahren. Standorte wurden gewechselt, Gebäude errichtet, umgebaut und abgerissen, der Name geändert und zahllose Ärztinnen und Pflegefachleute versorgten tausende Erkrankte. Eine umfassende Geschichte des Inselspitals würde eine Bibliothek füllen. Das Ziel dieser digitalen Inselgeschichte ist bescheidener: Anhand 31 Stationen erhalten Sie Einblicke in grössere und kleinere Entwicklungen des Inselspitals.

1354

«Stets und ewig»

Am 29. November 1354 stiftet Anna Seiler aus Barmherzigkeit und zur Sicherung ihres Seelenheils ein Spital für 13 bettlägerige und bedürftige Menschen. Die Zahl «13» ist dabei kein Zufall, sondern erinnert an Jesus und seine zwölf Jünger. Der Spitalbetrieb soll selbsttragend sein. Anna Seiler vermacht deshalb nicht nur ihre Unterkunft mit Hausrat – das Haus «vor den Predigern» an der heutigen Zeughausgasse –, sondern auch Alpweiden und Landgüter, deren Ertrag dem Spital zukommt. Die Aufsicht überträgt sie dem Schultheiss und dem Rat der Stadt Bern – allerdings mit einer Bedingung: Das Spital soll «stets und ewig» bestehen.

1400

Mittelalterliche Spitäler

Das Inselspital ist nicht das einzige Spital in Bern. Bereits im 13. Jahrhundert lässt sich das Heiliggeistspital nachweisen – knapp 100 Jahre später das Niedere Spital. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Spitäler sind jedoch – im Gegensatz zu Anna Seilers Stiftung – nicht nur für die Pflege von Kranken gedacht, sondern versorgen auch bedürftige und arme Menschen. Gegen Bezahlung dienen sie ausserdem als Altersherberge. Spitäler im Sinne von Krankenhäusern, in denen Ärzte und Pflegende ausschliesslich Kranke und Verletzte behandeln, etablieren sich erst seit dem 18. Jahrhundert.

1442

Altersheim oder Krankenhaus?

Die Geschichte des Seilerinspitals ist keine lineare Erfolgsgeschichte: In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung kämpft das Spital mit finanziellen Schwierigkeiten. Die reichen Berner Bürger und die Stadtobrigkeit unterstützen andere Institutionen wie die «Ellenden Herberge». Im 15. Jahrhundert entwickelt sich das Spital zudem immer mehr zu einem Pfründerhaus und damit zu einem Altersheim für vermögende Menschen - gegen Anna Seilers letzten Willen. Auf diese Entwicklung reagieren die ersten Spitalordnungen, indem sie die Zahl der Pfründer einschränken.

1456

Ein wegweisendes Geschenk

Schenkungen sind von Anfang an eine wichtige Einnahmequelle für das Inselspital. Immer wieder vermachen Bernerinnen und Berner dem Inselspital Güter und Geld: sei es, um sich das Seelenheil zu sichern, sei es, um eine Pfrund zu erwerben. 1456 schenkt etwa Anna von Krauchthal, die Witwe eines Berner Schultheissen, dem Spital unter anderem Rebberge mit Trotte, einen Bauernhof mit Jahreszins und ein Stück Land, «gelegen obenaus vor der Stadt Bern neben dem Weg beim äussern Kreuz», die «Kreuzmatte». Wie bedeutend diese Schenkung einmal sein wird, ist im 15. Jahrhundert noch nicht absehbar: Erst mehr als 400 Jahre später dient sie als Bauland für das neue Inselspital.

1531

Inselspital ohne Insel

Es ist offensichtlich: Das Inselspital liegt nicht auf einer Insel. Woher kommt also der Name, der so selbstverständlich verwendet wird? 1528 ordnet die Berner Obrigkeit im Rahmen der Reformation auch das Spitalwesen neu. Das Seilerinspital wird deshalb 1531 von der Zeughausgasse in das Gebäude des aufgehobenen Dominikanerinnenklosters St. Michael in der Insel verlegt, das früher auf einer Aarehalbinsel beim Altenberg stand. Mit diesem Umzug ändert sich auch der Name: Aus dem Seilerinspital wird nun das Inselspital.

1578

Widderhörner

Heute besteht das Insellogo aus der Wortmarke «Inselspital» und einem Wappen. Das Wappen zeigt ein grünes Schild mit zwei gekrümmten Linien. Es orientiert sich am ersten überlieferten Wappen des Spitals aus dem Jahr 1578, das über einer alten Stallung angebracht war. Darauf sind zwei voneinander abgewandte Widderhörner auf einem sogenannten Fünfberg zu sehen. Die Herkunft des Wappens ist ungeklärt, es ähnelt jedoch dem Wappen von Peter ab Berg – dem Vater von Anna Seiler. Über die Jahrhunderte kam es immer wieder zu Veränderungen, aber die stilisierten Widderhörner sind bis heute geblieben.

1643

Spitalreform

Die Berner Obrigkeit erlässt im 16. und 17. Jahrhundert mehrere Spitalreformen. Sie will damit Missstände im Betrieb, in der Organisation und der Krankenpflege beseitigen und nicht zuletzt die Kosten senken. So heissen die Räte und Burger beispielsweise im Jahr 1643 eine neue Haushaltsordnung gut, die vor allem bei den Vergütungen der Ärzte und Chirurgen, aber auch beim Einkauf der Nahrungsmittel Kosten einspart.

1645

Die «Krankenschau»

In der Frühen Neuzeit verfügt das Inselspital in sechs Stuben gerade einmal über 39 Betten – viel zu wenig für eine Stadt mit damals etwa 5000 Einwohnern. Deshalb können Kranke nicht ohne Weiteres ins Inselspital eintreten, sondern müssen sich der sogenannten «Schau» unterziehen und ihre Bedürftigkeit nachweisen. Die Inselordnung von 1645 gibt über den Ablauf Auskunft: Im Auftrag des Berner Rats entscheiden Ärzte und Wundärzte in einem Schausaal über eine Aufnahme. Leidet jemand an einer ansteckenden oder unheilbaren Krankheit, wird die Aufnahme verweigert – zu gross ist die Gefahr der Ansteckung, zu aufwendig eine Behandlung, an deren Ende der Tod des oder der Erkrankten steht. Der Andrang bleibt jedoch weiterhin gross. Im Schausaal werden die Berner Burger bevorzugt, andere Erkrankte aber immer wieder abgewiesen. Das Antreten der Menschen in einem Schausaal wird erst 1923 aufgegeben.

1715

Direktorium

Die Aufsicht über das Spital liegt seit der Gründung beim Schultheiss und dem Grossen Rat von Bern. Sie bestimmen einen Spitalmeister und den Obervogt. 1715 wird das Reglement erneut angepasst, das die Leitung des Inselspitals neu regelt. Zwischen den Kleinen Rat und den Inselinspektor tritt nur das Direktorium, das Weisungen an den Verwalter erteilt. Das Spital bleibt weiterhin eine selbstständige Stiftung. Der Betrieb wird weiterhin durch den Erlös aus Gütern und Anlagen sichergestellt.

1724

Ein Palast für Arme

Das Inselgebäude befindet sich im frühen 18. Jahrhundert in desolatem Zustand: 1713 meint ein Zeitzeuge, dass im Inselspital selbst ein Gesunder erkranken müsse. Die Presse spricht von einem «Mörderhaus». Als ein Brand zusätzliche Schäden verursacht, plant die Stadt einen Neubau. Zwischen 1718 bis 1724 entsteht am selben Ort ein dreistöckiges Gebäude aus Sandstein, das einem «königlichen Palast» gleiche. 45 Betten für Kranke und sechs für Wärterinnen stehen zur Verfügung. Die Mahlzeiten werden in einer eigenen Küche zubereitet, und die Operationen finden in einem Eckzimmer mit viel Tageslicht statt. Dabei darf man nicht vergessen: Ins Spital gehen nur Arme. Wer Geld und Platz hat, lässt sich zuhause behandeln. Das Spital kann keine Untersuchung, Pflege oder Therapie anbieten, die Erkrankte nicht nicht auch in ihrer Wohnung erhalten können.

1765

Eine Ausbildungsstätte

Spätestens seit dem 17. Jahrhundert dient das Inselspital auch als Lehrstätte. Die Stadtärzte geben Anatomiekurse oder führen Operationen vor angehenden Ärzten und Chirurgen durch. Der Unterricht erfolgt jedoch wenig systematisch. Albrecht von Haller fordert 1765 in einem Gutachten, die Ausbildung von Chirurgen und Hebammen müsse unter ärztlicher Kontrolle stehen. Das Inselspital solle als zentrale Ausbildungsstätte dienen. Kurse und Prüfungen sollten eingeführt werden. Die Behörden setzen Hallers Vorschläge jedoch nur teilweise um. Erst 1805 wird an der neu gegründeten Akademie nach französischem Vorbild erstmals eine staatliche, klar geregelte medizinische Fakultät geschaffen.

1834

Vom Armen- zum Universitätsspital

Seit dem 18. Jahrhundert ist der Unterricht am Krankenbett Bestandteil der ärztlichen Ausbildung. Doch erst 1834 wird die Universität Bern inklusive medizinischer Fakultät gegründet. Damit wird die Insel zu einem Universitätsspital, die Lehre am Spitalbett institutionalisiert, und die Forschung gewinnt an Bedeutung. Die Zusammenarbeit zwischen Insel und Universität erweist sich zwar als produktiv, verläuft jedoch nicht reibungslos. Die Fragen, wie das Verhältnis von Krankenversorgung und Unterricht aussehen soll, insbesondere auch wie weit die finanziellen Verpflichtungen des Staates gehen sollen, führen bis weit ins 20. Jahrhundert zu Diskussionen.

1884

Die Kreuzmatte

Das einst als «Palast» gefeierte Gebäude von 1724 genügt den Ansprüchen gut 150 Jahre später nicht mehr. In einer Volksabstimmung bewilligen die Stimmbürger im Jahr 1880 einen Kantonsbeitrag für einen Neubau auf der Kreuzmatte ausserhalb der Stadt, die Anna von Krauchthal 1456 gestiftet hat. Um das Projekt zu finanzieren, verkauft die Inselkorporation zudem das alte Spital an den Bund und veräussert weitere Güter, Wälder und Alpen. Sogar die Frauen der Inselbeamten und -ärzte sammeln mit einem «Inselbasar» 100 000 Franken für den Neubau. Nach nur drei Jahren Bauzeit kann 1884 das neue Spital am neuen Standort bezogen werden.

1900

Medizin auf dem Land

Lange ist das Inselspital das einzige Spital, das durch den Staat betrieben wird. Ab den 1830er-Jahren entstehen dann erste «Notfallstuben» mit sechs bis zwölf Betten. Im späten 19. Jahrhundert nimmt der Bedarf nach medizinischer Versorgung auch auf dem Land stark zu. Die Fortschritte der Chirurgie und der Akutmedizin sowie die steigenden Ansprüche der Bevölkerung führen zur Gründung mehrerer Regionalspitäler – so etwa in Aarberg (1878), Münsingen (1879), Riggisberg (1894) oder Belp (1905). Seit 2016 gehören diese, wie auch das 1913 geschaffene Tiefenauspital, zur Inselgruppe.

1904

Tüütaatoo

Täglich rückt die Berner Sanitätspolizei mit Blaulicht und Sirene aus – mehr als 20 000 Einsätze pro Jahr leistet sie. Die Anfänge sind bescheidener: Während einer schweren Grippeepidemie 1890 schafft die Stadt für den Krankentransport eine zweispännige Pferdekutsche an. 1904 wird schliesslich die Sanitätspolizei gegründet. Sie transportiert die Kranken weiterhin mit der Kutsche, bis sie 1917 einen motorisierten Krankenwagen anschafft. Das Elektrofahrzeug der Marke «Tribelhorn» bringt die Kranken mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Stundenkilometern ins Inselspital. 1925 erwirbt die Stadt für 20 000 Franken einen Cadillac mit Verbrennungsmotor. Ab 1959 fahren die Krankenwagen erstmals mit Blaulicht und Signalhorn durch Bern.

1909

Spitzenmedizin

Im frühen 20. Jahrhundert erreichen gleich mehrere Ärzte des Inselspitals mit unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung internationale Anerkennung. 1909 ist ein besonderer Höhepunkt: Theodor Kocher erhält für seine Forschung zur Schilddrüsenchirurgie und -physiologie den Nobelpreis. Der Internist Hermann Sahli ist einer der produktivsten und innovativsten Köpfe in seinem Fach. Josef Jadassohn gilt als Pionier in der Erforschung von Hautkrankheiten und macht Bern zu einem europäischen Zentrum der Dermatologie.

1918

Spanische Grippe

Die Spanische Grippe 1918/19 trifft die Stadt Bern hart. Das Inselspital kann nicht alle Patienten und Patientinnen aufnehmen, sodass zwei Schulhäuser zu Notspitälern umfunktioniert werden. Zu dieser Zeit sind die therapeutischen Möglichkeiten sehr beschränkt. Allein im Kanton Bern sterben 4658 Personen.

Einerseits haben Wissenschaftler seit 1880 viel über Infektionskrankheiten herausgefunden. Auch in Bern besteht seit 1895 ein gut eingerichtetes Institut für Bakteriologie. Daran angeschlossen ist das Schweizerische Serum- und Impfinstitut. Dennoch sind sich die Ärzte uneinig, was diese Grippe genau auslöst und warum sie oft so schwer verläuft.

1920

Spezialisierung

Nach dem Neubau auf der Kreuzmatte entstehen innerhalb weniger Jahre weitere Kliniken und Institute: die Bakteriologie (1895), die Pathologie (1896), die Radiologie (1896), die Hautklinik (1891), die Spitalapotheke (1898) und die Augenklinik (1908). Die neuen Gebäude spiegeln die fortschreitende Spezialisierung der naturwissenschaftlichen Medizin wider. Im Zeitraum von 1850 bis 1950 verselbständigt sich im Schnitt alle sechs Jahre ein medizinisches Fach: Es verfügt dann über einen eigenen Lehrstuhl und eine eigene Klinik.

1929

Schöne Spitäler

Seit dem Umzug auf die Kreuzmatte werden ganz unterschiedliche Gebäude gebaut: grosse, kleine, dekorative und funktionale. Sie spiegeln nicht nur die Entwicklung der Medizin, sondern auch den architektonischen Stil der Zeit wider, in der sie erbaut werden. Ein besonderes Schmuckstück ist das Lory-Spital. Es wird 1929 als «Krankenhaus für Chronisch-Kranke» nach Plänen der Architekten Otto Rudolf Salvisberg und Otto Brechbühl fertiggestellt. Es bietet grosse Liegeflächen für das Sonnen- und Luftbad der Tuberkulose-Kranken. Mit seiner funktionellen Gliederung, der sachlichen Fassade und seiner grosszügigen Parkanlage ist ein Beispiel für das Neue Bauen um 1930 und gilt als Pionierwerk der architektonischen Moderne in Bern. Heute steht es unter Denkmalschutz.

1947

Die Frauen und das Inselspital

Mit den Stifterinnen Anna Seiler oder Anna von Krauchthal spielen Frauen für die Geschichte des Inselspitals eine zentrale Rolle. Die Leitung liegt aber jahrhundertelang in den Händen von Männern. Erst 1947 wird mit Albertine Blumer-Nenninger erstmals eine Frau in den Verwaltungsrat gewählt – sie bleibt jedoch eine Ausnahme. 1959 erhält mit der Spitaloberin Thea Märki erstmals eine Frau Einsitz in die Inseldirektion. Auch über bauliche Veränderungen dürfen die Berner Stimmbürgerinnen erst nach Einführung des Frauenstimmrechts 1971 abstimmen.

1960

Migration

Das Inselspital ist ein internationales Unternehmen: Gegenwärtig sind beinahe 11 000 Mitarbeitende aus 102 Nationen für die Inselgruppe tätig. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein stammen jedoch sowohl das Personal wie auch die Patientinnen und Patienten vorwiegend aus der Region. Erst seit der Gründung der Universität im Jahr 1834 kommen erste Professoren aus Deutschland nach Bern. In der zweiten Hälfte dieses «Langen 19. Jahrhunderts» führt die Hochkonjunktur und der Personalmangel auch in Bern zu einer zunehmenden Einwanderung. In allen Berufsgruppen des Inselspitals nimmt der Anteil an ausländischem Personal allmählich zu.

1964

Wachstum

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wächst das Inselspital. Immer mehr Personal behandelt und versorgt eine steigende Zahl an Patientinnen und Patienten. Auch der Bedarf an Blut- und Urinuntersuchungen nimmt zu. 1964 beschliesst der Verwaltungsrat, ein chemisches Zentrallabor zu schaffen. In den folgenden fünf Jahren werden die Labors der verschiedenen Kliniken und Häuser zusammengefasst. Im Jahr 1969 wird das chemische Zentrallabor offiziell eingeweiht. Gleichzeitig wird eine Schule für medizinische Laborantinnen und Laboranten gegründet, Methoden vereinheitlicht sowie ein Lochkartensystem eingeführt, das die Automatisierung gewisser Analysen ermöglicht und so Fehlerquellen ausschliessen soll.

1965

Medizintechnik

Auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führen Berner Ärztinnen, Chirurgen und Forscherinnen die Tradition der Zusammenarbeit mit der Industrie fort. So entwickelt etwa Maurice E. Müller (1918-2009) neue Formen von Hüftprothesen, die sich dank ihrer Zuverlässigkeit und Langlebigkeit international verbreiten. Er trägt auch mit der «Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen» dazu bei, dass sich die operative Behandlung von Knochenbrüchen durchsetzt.

Mehr zur Forschung

1966

Pflegenotstand

1966 gründet das Inselspital eine eigene Pflegerinnenschule. Sie soll dem Personalmangel entgegenwirken, der nicht nur in Bern notorisch ist: Im 20. Jahrhundert wird in regelmässigen Abständen ein Pflegenotstand ausgerufen – so auch in den 1970er-Jahren. 1971 sind in der Pflege von 564 Stellen nur 496 besetzt. Die Direktion reagiert mit weiteren Massnahmen: Sie reorganisiert den Pflegedienst, erweitert die Schule der Spitalgehilfinnen, arbeitet mit der Krankenpflege-Schule des Kantons zusammen und führt die Sonntag- und Nachtzulagen ein.

1970

Bettenhochhaus

Am 29. November 1970 wird nach fünfjähriger Bauzeit das 78 Meter hohe und 22 Stockwerke umfassende Bettenhochhaus eingeweiht. Bei der Planung orientiert sich die Baukommission an den neuesten Entwicklungen im Krankenhausbau. Um einen reibungslosen Betrieb zu garantieren, überprüfen die Ärzte und Ärztinnen, das Pflegepersonal und die Bauverantwortlichen vor der Eröffnung in einem «Mustergeschoss» alle Abläufe und schlagen Verbesserungen vor. Das Gebäude ist dann auch technisch auf dem neuesten Stand und gilt als Musterbeispiel eines effizienten Krankenhauses.

1970

Unterricht

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren die Medizin und die Forschung einen weiteren Entwicklungsschub. Die medizinische Fakultät entwickelt sich zum Grossbetrieb mit rund 50 Spezialfächern und Instituten. Seit Mitte der 1960er-Jahre treibt Hannes G. Pauli, Professor für Innere Medizin, gemeinsam mit Ettore Rossi, Direktor der Kinderklinik, eine Reform der Ausbildung voran. Als Vorbild dienen Modelle in Schweden, England, Frankreich und den USA. Die gesamtschweizerische Reform des Medizinstudiums 1971, die etwa den klinischen Unterricht praxisorientierter gestalten soll, basiert dann auch in weiten Teilen auf dem Berner Modell. Dazu gehörte auch die Nutzung neuer, audiovisueller Medien.

1974

Logistik

Das Inselspital ist als Grossbetrieb darauf angewiesen, dass die komplexe Logistik funktioniert, und greift dazu immer wieder auf neue Technologien zurück. Bereits in den 1960er-Jahren beginnt das Inselspital, seine Daten elektronisch zu verarbeiten. 1965 erfolgen die ersten Lohn- und Gehaltsabrechnungen und 1969 wird eine EDV-Abteilung geschaffen, die auch eigene Programme entwickelt. In den 1970er-Jahren wird die Digitalisierung weiter vorangetrieben und ein Patientenaufnahmesystem realisiert.

1978

Für die Kinder das Beste

Lange gibt es keine auf Kinder spezialisierten Krankenhäuser. Auch in Bern legt erst das Testament von Julie von Jenner die Grundlage für das 1858 eröffnete Jenner-Kinderspital. Gut 100 Jahre später kauft der Kanton Bern 1962 das Spital und überträgt den Betrieb dem Inselspital. Der neue Leiter Ettore Rossi verhilft der Berner Pädiatrie zu einem grossen Aufschwung und treibt auch bald die Planung eines Neubaus voran. Nach vierzehnjähriger Planungs- und Bauzeit wird die neue Kinderklinik 1978 eingeweiht. Die Spitalmitarbeitenden nennen sie bald «Rossi-Palast».

1979

Patientinnen und Patienten

Seit der Gründung des Inselspitals steht die Genesung der Kranken im Zentrum. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bemüht sich das Spital, auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten einzugehen. Ihr Aufenthalt soll möglichst angenehm gestaltet werden. So werden mehrfach die Besuchszeiten verlängert oder ab 1979 Fragebögen an die entlassenen Patienten und Patientinnen verschickt, um die Zufriedenheit zu überprüfen. Auch die Zimmer werden grösser, die Betten komfortabler und das Essen reichhaltiger.

1980

Eine kleine Stadt

Das Inselspital entwickelt sich im 20. Jahrhundert zu einem grossen Unternehmen. Die Zahl der Kranken und der Angestellten steigt stark an. Zahlreiche unterstützende Betriebe sind notwendig, um den Kernauftrag der Krankenversorgung erfüllen zu können. Die Werkstätten, die Wäscherei, die Hotellerie, die Gebäudereinigung, die Logistik und die Betriebsfeuerwehr – alle diese Betriebe tragen dazu bei, dass das Krankenhauses funktioniert.

1989

Apparatemedizin

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewinnen grosse, technische Apparate an Bedeutung. Ob bei der Beatmung während einer OP, der Diagnose mit bildgebenden Verfahren oder der Therapie mit Strahlen oder Stosswellen – auch das Inselspital greift vermehrt auf komplexe Geräte zurück. Diese werden einerseits als «Wunder der Technik» gefeiert, andererseits stossen sie Diskussionen über die steigenden Kosten im Gesundheitssystem an.

1994

Glanz und Gloria

Im Inselspital werden jährlich Tausende Patientinnen und Patienten operiert, gepflegt oder versorgt. Manchmal sind auch Prominente auf medizinische Versorgung angewiesen, über die die Medien dann ausführlich berichten. So liegt der Rennfahrer Marc Surer nach Unfällen 1980 und 1986 gleich zweimal im Inselspital. 1992 muss sich der Bundesrat René Felber einer Operation wegen seines Blasenkrebses unterziehen. Zwei Jahre später wird sein Kollege Otto Stich nach einem Zusammenbruch ins Inselspital gebracht, wo er einen Herzschrittmacher erhält.

2015

Masterplan

Medizin und Gesellschaft entwickeln sich stetig weiter. Das Inselspital muss nicht nur gegenwärtige Herausforderungen bewältigen, sondern heute schon Entscheidungen für die Zukunft treffen, die den Bedürfnissen der Medizin, der Patientinnen und Anwohner Rechnung tragen. 2015 bewilligen die Berner Stimmbürgerinnen und -bürger eine neue Überbauungsordnung. Über mehrere Jahre hinweg sollen die bestehenden Gebäude durch Neubauten ergänzt werden. Rund um das Notfall- und Operationszentrum entstehen so Schwerpunktzentren, etwa für Herz-, Hirnschlag- oder Krebserkrankte.

2020

Covid-19

Die Covid-19-Pandemie verlangt nicht nur von der Öffentlichkeit, sondern auch vom Inselspital radikale Anpassungen: «social distancing», Isolation, Testen, Operationsstop, Bettenbelegung, Beatmung und Überbelastung sind neue Begriffe, die seit Beginn des Jahres 2020 im Spital eine neue Bedeutung erlangt haben. Die Zukunft wird weitere, absehbare, aber auch noch unbekannte Herausforderungen bringen. Die Geschichte des Inselspitals geht weiter ...

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Auswahlbibliografie

  • Boschung, Urs (2005a): Vom Streit um Betten zur engen Zusammenarbeit, in: UniPress (125/2005), S. 9-10.

  • Boschung, Urs (2005b): Das Geschenk der Frau Anna Seiler: 650 Jahre Berner Inselspital, in: Vorname Nachname Herausgeber/-in, Alpenhorn-Kalender 2005, S. 104-118.

  • Boschung, Urs (2005c): Wie Pferdeäpfel die damalige Spitalhygiene vorantrieben, in: Insel-Magazin (2005/1), S. 12-13.

  • Haas, Leonhard (1969): Lenins Frau als Patientin bei Schweizer Ärzten, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 17(3), S. 420–436.

  • Historisches Lexikon der Schweiz: https://hls-dhs-dss.ch/

  • Inselspital-Stiftung (Hg.) (2004): 650 Jahre Inselspital. Stets und ewig, Bern.

  • Leu, Fritz (Hg.) (2006): Das Inselspital: Geschichte des Universitätsspitals Bern 1954-2004, Bern.

  • Rennefahrt, Hermann & Hintzsche, Erich (1954): Sechshundert Jahre Inselspital 1354-1954, Bern.

  • Rüedi, Elisabeth (2008): Die Pflege und das Pflegemanagement in ständigem Wandel: Geschichte der Krankenpflege im Inselspital 1954-2004, Zürich.

  • Scandola, Pietro (Hg.) (1984): Hochschulgeschichte Berns, 1528-1984. Bern.

  • Täuber, Martin G. (2005): Die Medizinische Fakultät zwischen Universität und Spital, in: UniPress (125/2005), S. 11-14.

  • Thurnherr, Yvonne (1944): Die Stadtärzte und ihr Amt im alten Bern, Bern.