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Sammlungsgeschichten: Das Inventarisieren



28. März 2022



Die Medizinsammlung Inselspital Bern dokumentiert die Geschichte der Medizin und des Gesundheitswesens. Ihre Objekte repräsentieren wichtige Entwicklungen der Medizin in Forschung, Klinik, Pflege und Hausmedizin. An dieser Stelle präsentierten wir in regelmässigen Abständen kleine "Sammlungsgeschichten", die Einblicke in die konkrete Sammlungsarbeit bieten.

Grundlage für die Sammlungsarbeit

Zentraler Bestandteil der Sammlungsarbeit ist das Inventarisieren. Denn die präzise Erfassung der Objekte stellt die Grundlage für fast alle weiteren Tätigkeiten dar: für das Sammlungskonzept, das Leihwesen und natürlich auch für die Vermittlung in Form von Ausstellungen oder Objektgeschichten.

Auch die Medizinsammlung Inselspital Bern registriert deshalb die eingehenden Objekte systematisch. Dabei profitieren wir von der Expertise von freiwilligen Mitarbeitenden. Die pensionierte OP-Fachfrau Olivia Sinon ist beispielsweise Spezialistin für chirurgische Instrumente und der emeritierte Professor für Physiologie, Hans Lüscher, betreut die Apparate aus dem Bereich der Physiologie. Diese stammen teilweise aus Schenkungen, teilweise wird jedoch auch Altbestand aufgearbeitet.

Klar geregelter Ablauf

Der Inventarisierungsprozess ist klar geregelt und in Richtlinien festgehalten. Pinsel, Reinigungstücher, Stifte und Etiketten liegen bereit: Der fest eingerichtete Arbeitsplatz mit den notwendigen Materialien dient dazu, dass die Objekte unabhängig von einer Person immer gleich erfasst werden.

In einem ersten Schritt müssen die fraglichen Objekte identifiziert werden. Das klingt einfacher als es ist. Gewisse Instrumente wie etwa ein Skalpell erkennt man auch ohne Erfahrung auf den ersten Blick. Doch selbst bei Skalpellen existieren zahlreiche Typen, die sich manchmal nur in Details wie Griff- oder Klingenform voneinander unterscheiden. Andere Objekte sind für Laien schwierig zu erkennen.

Identifizieren und Datieren

Konnten Sie in diesem Fall das Objekt identifizieren? Es handelt sich dabei um einen Darmknopf nach Murphy, der 1892 erstmals vom US-amerikanischen Chirurgen John Benjamin Murphy vorgestellt wurde. Er fand vor allem in den USA Anwendung bei Darmanastomosen: Musste aufgrund einer Magendarmerkrankung Gewebe entfernt werden, konnten mit dem Murphy-Knopf die Darmabschnitte wieder verbunden werden.

Wichtige Hilfsinstrumente, um Instrumente, Mobiliar und Apparate präzise beschreiben oder überhaupt erst identifizieren zu können, sind alte Produktkataloge. Sie ermöglichen es auch, den Zeitraum einzugrenzen, in dem das fragliche Objekt hergestellt und genutzt wurde.

Wenn klar ist, um welches Instrument es sich handelt, dann wird es nicht einfach automatisch in die Sammlung aufgenommen. Zunächst wird geklärt, ob es dem Sammlungskonzept der Medizinsammlung entspricht. Wurde es beispielsweise im Inselspital verwendet, von einem Berner Hersteller produziert, steht es exemplarisch für eine wichtige medizinische Entwicklung oder gehört es zu einem Sammlungsschwerpunkt?

Erfassung in der Datenbank

Entspricht das Objekt den Kriterien, wird es offiziell in die Sammlung aufgenommen und in der Datenbank erfasst: Die Mitarbeitenden reinigen es dann, beschreiben es möglichst genau, bestimmen Grösse und Gewicht, nennen die Verwendung. Ganz wichtig: Das Objekt erhält eine Inventarnummer und wird gleich zweifach beschriftet, sodass sich das Objekt in Zukunft zweifelsfrei identifizieren lässt. Wenn Zusatzinformationen vorhanden sind, wie Produktkataloge, Werbeprospekte oder Bedienungsanleitungen, werden diese in digitalisierte Form in der Datenbank mit dem Objekt verknüpft. Im Anschluss werden die Objekte fotografiert und je nach Grösse im Depot der Grossobjekte oder der Compactus-Anlage aufbewahrt.  Wird ein Objekt für eine Ausstellung, eine Leihgabe oder eine Führung benötigt, reicht eine kurze Datenbankrecherche und ein Handgriff, um das Objekt zu finden und bereitzustellen.